Wenn die Zunge die Zähne verschiebt

„Meine Zähne sind schief. Der Kieferorthopäde sagt, ich schlucke falsch.“ So oder so ähnlich stellen sich viele unserer Patienten bei uns vor. Was steckt dahinter? Die Diagnose lautet „Myofunktionelle Störung“. Die Gesichts- und Schluckmuskulatur ist nicht gleichmäßig entwickelt. Manche dieser Muskeln sind zu aktiv, andere zu passiv. Häufig steht der Mund offen und das Kinn sieht beim Schluckvorgang irgendwie „gekräuselt“ aus. Außerdem presst die Zunge bei jedem Schlucken gegen die Zähne. Steter Tropfen höhlt den Stein: Die Zähne werden so weiter und weiter verschoben.

Als Babys haben wir alle so geschluckt. Das war auch sinnvoll: Die Milchproduktion wurde so angeregt und der Zunge im Weg stehende Zähne gab es noch nicht. Später stellt sich in der Regel ein „erwachsenes“ Schluckmuster ohne Zungenvorstoß ein, aber eben nicht bei jedem. Auffällig wird das Ganze dann zumeist erst, wenn ein Kieferorthopäde die Zahn- bzw. Kieferstellung korrigieren möchte und feststellt, dass die Zunge kräftig gegen diese Korrektur arbeitet. Dann wird er in aller Regel eine logopädische Therapie verschrieben, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Ursachen können u.a. darin liegen, dass der Patient als Baby zu lange einen Schnuller oder den Daumen benötigt hat. Auch eine permanente Mundatmung (z.B. durch vergrößerte Rachenmandeln, die sogenannten „Polypen“) kommt als Ursache in Frage. In der Therapie werden zunächst die betroffenen Muskeln systematisch trainiert. Dies hat häufig einen schönen Nebeneffekt: Die Gesichtszüge sehen harmonischer aus. Durch das Muskeltraining sind dann die Voraussetzungen geschaffen das Schluckmuster dauerhaft korrigieren zu können. Die Zunge arbeitet nicht mehr gegen die kieferorthopädische Korrektur und einem dauerhaften Erfolg der wunderschön geraden Zähne steht buchstäblich nichts mehr im Wege!