Auch wer nicht sprechen kann, hat viel zu sagen! Selbstbestimmt leben mit Unterstützter Kommunikation

Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich mitzuteilen. Seine Gedanken und Wünsche deutlich zu machen. Kommunikation, Kontakt und Austausch sind zudem wichtige Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft. Grundlage hierfür ist für die meisten Menschen die gesprochene Sprache. Steht diese aufgrund von angeborenen oder erworbenen Einschränkungen nicht oder nicht in vollem Umfang zur Verfügung, brauchen die betroffenen Menschen geeignete Alternativen. Diese finden sie in den vielfältigen Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation. Hierzu ein Beispiel aus unsere Praxis:

Mit nicht einmal 40 Jahren wird Herr M. durch einen schweren Schlaganfall mitten aus dem Leben gerissen. Er verbringt lange Zeit im Krankenhaus und in einer Reha-Einrichtung. Vieles muss er komplett neu erlernen. Doch etwas klappt auch nach der intensivsten Therapie nicht mehr: Die Sprache ist fast komplett weg. Er kann seine Kinder nicht mehr fragen, wie es in der Schule war, ihnen nicht bei den Hausaufgaben helfen, nicht sagen was er essen oder trinken möchte. Zunehmend zieht sich Herr M. aus dem Alltag zurück, seine Frau berichtet von einer sich entwickelnden Depression. Wir vermitteln einen Beratungstermin mit einer Firma, die sich auf die Versorgung mit Hilfsmitteln zur Unterstützten Kommunikation spezialisiert hat und nehmen diesen gemeinsam mit Herrn M. wahr. Für ihn schien ein komplexes Kommunikationsgerät, ein sogenannter „Talker“ am geeignetsten. Dieses Tablet ermöglicht es Herrn M. nun, wieder am Leben teilzuhaben. Drückt er auf eine Taste, so „spricht“ der Talker für ihn. Gemeinsam erarbeiten wir Therapeuten nun konsequent den Einsatz des Geräts im Alltag. Es ist schön mit anzusehen, wie Herr M. wieder aufblüht. Begeistert erzählt er uns nun immer von seinen Unternehmungen am Wochenende!


Bei Kindern arbeiten Sprachtherapeuten mit Gebärden, Bildkarten, „sprechenden Tasten“ und später ebenfalls mit Talkern. Die Kosten für die Geräte werden nach Genehmigung in der Regel von den Krankenkassen übernommen.